Michael Succow

Als Sohn eines Landwirts wurde Michael Succow am 21. April 1941 in Lüdersdorf im Osten Brandenburgs geboren. Auf dem Hof seiner Eltern hatte er die Schafe zu hüten. Er begann mit 13 Jahren, seine Naturbeobachtungen aufzuschreiben. Inzwischen sind es zwölf Tagebücher, die von der einstigen biologischen Vielfalt in der bäuerlichen Kulturlandschaft zeugen. Während der Jugendzeit entwickelte sich eine tiefe Freundschaft zu den Pionieren des ostdeutschen Naturschutzes, dem Ehepaar Kretschmann in Bad Freienwalde. Seinen Neigungen folgend studierte Michael Succow von 1960-65 Biologie an der Universität Greifswald. Im Zuge des "Prager Frühlings" musste er allerdings seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent aufgeben und sich "in der Produktion bewähren". Von 1969-73 arbeitete er als Standorterkunder im VE Meliorationskombinat Bad Freienwalde daran mit, neue Flächen für die landwirtschaftliche Intensivierung zu erschließen. Dennoch konnte er 1970 "nebenher" seine Dissertation abschließen und an der Universität Greifswald promovieren. Ab 1974 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR tätig.

Eine Rückkehr an eine Universität wurde Michael Succow mehrfach verwehrt. Sein Engagement vor allem im ehrenamtlichen Natur- und Umweltschutz im Rahmen des Kulturbundes der DDR war in dieser Zeit wesentlicher Teil seines Lebens. Als Folge wurde er im Januar 1990 im neu strukturierten Ministerium zum Stellvertretenden Minister für Natur-, Umweltschutz und Wasserwirtschaft der DDR, nachdem die Bürgerbewegungen schon im Herbst 1989 die Schaffung eines eigenen Ministeriums für Naturschutz gefordert hatten. Michael Succow war zuständig für den Naturressourcenschutz und die Landnutzungsplanung - Felder, die es bislang so nicht gab. In diesem Amt gelang ihm gemeinsam mit dem von ihm ins Ministerium geholten Freund*innen und Weggefährt*innen der Coup, das sogenannte "Nationalparkprogramm" zu initiieren. Bereits im März 1990 konnten knapp 12% des DDR-Territoriums einstweilig durch den Ministerrat als Großschutzgebiete ausgewiesen werden. Es waren insbesondere bisherige Staatsjagdgebiete, Grenzsicherungsräume und Truppenübungsplätze. Bis zur Wiedervereinigung gelang es, davon fast die Hälfte als Biosphärenreservate, Nationalparke und Naturparke neuer Prägung mit eigenen Verwaltungen in den Einigungsvertrag einzubringen und damit endgültig zu sichern. In den neu entstandenen Bundesländern schafften es die Regierungen in den folgenden Jahren, auch die restlichen einstweilig gesicherten Flächen in Großschutzgebiete zu überführen. Eine Leistung, für die Michael Succow 1997 der Alternative Nobelpreis der Right Livelihood Award Foundation verliehen wurde. Mit dem Preisgeld gründete er 1999 die Michael Succow Stiftung zum Schutz der Natur. Bis heute ist er international sowie national im Naturschutz aktiv, vor allem bei der Etablierung von Biosphärenreservaten und in Deutschland insbesondere für eine zukunftsfähige, das heißt ökologisch orientierte Landnutzung.

1965-1969Wissenschaftlicher Assistent am Botanischen Institut der Universität Greifswald
1968Im Zusammenhang mit dem "Prager Frühling" Verweigerungshaltung; das Ausscheiden aus der Universität war die Folge (Juli 1969)
7/1969-12/1973Tätigkeit als Standorterkunder, später Brigadeleiter im VE Meliorationskombinat Bad Freienwalde
1970Promotion mit dem Thema "Die Vegetation der nordmecklenburgischen Flußtalmoore und ihre anthropogene Umwandlung" an der Universität Greifswald mit "summa cum laude"
1973Mehrmonatiger Spezialisteneinsatz als Bodenkundler in der Mongolei
1974-1990Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bodenkundlichen Institut der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR (später Bereich Bodenkunde/Fernerkundung des Forschungszentrums für Bodenfruchtbarkeit der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften) in Eberswalde
1981Verteidigung der Habilitationsschrift "Landschaftsökologische Kennzeichnung und Typisierung der Moore der DDR" an der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften
1984Facultas docendi an der TU Dresden für das Fachgebiet Landschaftsökologie und Landschaftsplanung
1987Ernennung zum Professor der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR, bleibt aber weiterhin Wissenschaftlicher Mitarbeiter
1987-1989Mehrmaliger Einsatz in Äthiopien im Auftrag von Consulting-Unternehmen der DDR als Bodenkundler beim Aufbau von Staatsgütern
15.1.-15.5.1990Auf Drängen der Bürgerbewegung Stellvertreter des Ministers für Natur-, Umweltschutz und Wasserwirtschaft der DDR; verantwortlich für Ressourcenschutz u. Landnutzungsplanung (Ergebnis: Das Nationalparkprogramm der DDR wird in Gang gebracht, ebenso Ansätze für die Ökologisierung der Landwirtschaft/Landnutzung)
6/1990-2/1991Gast-Professur für "Angewandte Ökologie" an der Technischen Universität Berlin
1990/91Projektleitung für ein Nationalparkprogramm in Georgien im Auftrag von WWF International
3/1991-10/1992Berater des brandenburgischen Umweltministers Matthias Platzeck und Leiter des Aufbaustabes der "Landesanstalt für Großschutzgebiete" bei der Landesregierung Brandenburg
10/1991-10/1992Lehrstuhlvertretung für das Fach Ökologie an der Universität Greifswald
10/1992Berufung zum Universitätsprofessor an den Lehrstuhl für Geobotanik und Landschaftsökologie und zum Direktor des Botanischen Institutes und Botanischen Gartens der Universität Greifswald. Einwerbung von 4 Stiftungsprofessuren und auf dieser Basis ab 1996 Aufbau eines eigenen Studienganges Landschaftsökologie und Naturschutz mit internationaler und interdisziplinärer Ausrichtung. Moorkundliche sowie landschaftsökologisch-naturschutzorientierte Forschungstätigkeit im In- und Ausland. Das bedeutet (bereits ab 1990) Arbeit in Transformationsländern des Ostens, der Mongolei und China, um dort Naturschutzgroßprojekte zu initiieren: UNESCO-Weltnaturerbe-Gebiete in Kamtschatka, im Lena-Delta und in Karelien, Biosphärenreservate der UNESCO in Kyrgisistan, Kasachstan und Usbekistan sowie Nationalparke in der Mongolei, in Georgien, in Russland und Weißrussland. Seit Gründung der Michael Succow Stiftung zum Schutz der Natur Mithilfe in der Republik Aserbaidschan bei der Umsetzung eines Nationalparkprogramms
6/2006Den veränderten Aufgabenstellungen entsprechend erfolgt die Umbenennung des Botanischen Instituts und Botanischen Gartens in Institut für Botanik und Landschaftsökologie & Botanischer Garten
31.10.2006               Mit Eintritt in den Ruhestand Beendigung der langjährigen Arbeit in Lehre und Forschung an der Universität Greifswald und Fortsetzung seines Engagements für den Naturschutz im Rahmen der Michael Succow Stiftung zum Schutz der Natur. Die weitere Zusammenarbeit mit "seiner" Universität wird er auch weiterhin unterstützend begleiten. Aus diesem Grunde wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen Universität Greifswald und der Michael Succow Stiftung geschlossen.

 

 

Wir Menschen haben zu lange gegen die Natur gekämpft, benutzten sie gleich einem Steinbruch, haben uns über sie erhoben, wollten sie beherrschen. Nun, da die Schäden unüberschaubar und die Verluste unwiederbringlich sind, ergreift uns Unbehagen, auch Mitleid, vor allem aber Sorge. Sorge um unsere eigene Zukunft. Und Zweifel. Wer ist wirklich der Stärkere, der Sieger? Wohin steuert das Projekt Mensch? Ein Projekt mit ungewissem Ausgang? Wie weit darf sich der Mensch von der Natur entfernen, ihre Tragekapazität überschreiten? In diesem neuen Jahrtausend der Menschheitsgeschichte müssen wir unabdingbar begreifen: Wir dürfen uns nicht länger als Herrscher aufspielen, als Ausbeuter und Zerstörer handeln. Wir müssen Frieden schließen mit der Natur, die wir als Schöpfung begreifen sollten. Wir müssen mit ihr in Eintracht leben, dürfen ihre Ressourcen nicht verschwenden. Wir müssen uns endlich als Teil des ökologisch gebauten Hauses Erde empfinden. Es ist für mich das Gebot der Stunde, der durch Menschen ausgelösten Veränderung des globalen Naturhaushaltes und der Zerstörung der Lebensfülle entgegen zu wirken! Zu oft, zu großflächig, zu gründlich haben wir weltweit ursprüngliche, unverbrauchte, lebenserfüllte Natur zu erschöpften Landschaften gemacht. Das zwingt uns, dem Erhalt der Funktionstüchtigkeit der Ökosysteme, die auch in Zukunft unsere Lebensgrundlage bilden, bei allen Formen der Naturnutzung höchste Priorität einzuräumen. Das zwingt zu einem Wirtschaften im Einklang mit der Natur: Haushalten. Das zwingt zum absoluten Schutz der noch nicht vom Menschen beeinträchtigten Natur: Erhalten. Das zwingt zur längst überfälligen Inwertsetzung ökologischer Leistungen, einer ethischen Dimension unseres Handelns: Werthalten. Auf die Natur aufmerksam zu machen, sie in ihrer Großartigkeit, in ihrer Einmaligkeit, in ihrer Verletzlichkeit zu begreifen, sie stärker in unser Bewusstsein zu rücken, ist ein wichtiges Anliegen meiner Stiftung. Der Schutz der Natur ist kein Luxus, sondern eine der bedeutendsten Sozialleistungen für den Fortbestand der menschlichen Gesellschaft. Gewähren wir der Natur Raum, geben wir ihr Zeit. Üben wir uns im Erhalten und Haushalten - um unserer eigenen Zukunft willen.

Auszeichnungen

2019  Ehrendoktorwürde an der Western Caspian University, Baku
2015Ehrenpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)
2015 Hans-Carl-von-Carlowitz-Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie "National"
2015Bundesverdienstkreuz am Bande
2012Ehrensenatorwürde der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE)
2011Tourismuspreis des Landtages Mecklenburg-Vorpommern
2011Ehrenmitglied der "International Mire Conservation Group"
2011Ehrenmitglied des Botanischen Vereins von Berlin und Brandenburg
2006Ehrenmitglied der "Society for Ecological Restoration International"
2006Rubenow-Medaille der Universitäts- und Hansestadt Greifswald
2005C.A. Weber-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde
2005Verdienstorden des Landes Brandenburg, "Roter-Adler-Orden"
2004Ehrenprofessor der Kirgisischen Agraruniversität Bischkek
2001Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
2001Goldener Baum - Umweltpreis der Stiftung für Ökologie und Demokratie e.V.
2000URANIA-Medaille für besondere Leistungen in der wissenschaftlichen Volksbildung
1997Alternativer Nobelpreis der Right Livelihood Foundation in Stockholm. Das Preisgeld bildete den finanziellen Grundstock der Michael Succow Stiftung zum Schutz der Natur.
1992Binding-Preis für Natur- und Umweltschutz in Vaduz
1992Bruno-H.-Schubert-Preis in Frankfurt/Main
1991Hans-Klose-Preis der Stiftung F.V.S. Hamburg
1990 Deutscher Kulturpreis für das Nationalparkprojekt "Unteres Odertal" (Deutsch-Polnischer Nationalpark)
1990Lina-Hähnle-Medaille des Naturschutzbundes Deutschland (NABU)

 

Gesellschaftliche Funktionen und ehrenamtliches Engagement seit 1990 

1990-2003Vizepräsident des Naturschutzbundes Deutschland NABU
1991-2003Ordentliches Mitglied des Deutschen Rates für Landespflege
1991-1993Mitglied der Strukturkommission zur Neuordnung der Hochschul- und Forschungslandschaft des Landes Brandenburg
1991-2018Mitglied des deutschen Nationalkomitees für das UNESCO-Programm "Der Mensch und die Biosphäre" (MAB), von 1992-1996 Vorsitzender des Ausschusses Biosphärenreservate
1993-1996Mitglied des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung und dessen stellvertretender Vorsitzender
1993-2006Mitglied des Kuratoriums der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz in Hamburg
1994-2000Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Stiftung Save Our Future (S.O.F.) Hamburg
1994-2015Mitglied des Beirates bei der Obersten Naturschutzbehörde des Landes Brandenburg (1994-1999 Vorsitzender)
1995-2015Mitglied des Stiftungsrates des NaturSchutzFonds Brandenburgs
Seit 1999Vorsitzender des Stiftungsrates der Michael Succow Stiftung zum Schutz der Natur
1999-2006Ständiges Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des Umweltministers Mecklenburg-Vorpommern sowie Mitglied des Moorbeirates und Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Umwelt und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern
2000-2006          Vorsitzender der Sektion 5 "Naturschutz und Raumordnung" der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde e.V. (DGMT)
2003-2013Mitglied des Kuratoriums der Deutschen Bundestiftung Umwelt (DBU)
2003-2016Vorsitzender des Kuratoriums des Naturschutzbund Deutschland (NABU)
2004-2006Mitglied des Hohen Senats der Universität Greifswald
Seit 2007Mitglied des Stiftungsrates der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE)
Seit 2017Mitglied des Transferbeirates der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE)