Binsenberg – ein seltenes Hangquellmoor

Kalkreicher Lebensraum für Blauen Tarant und Mehlprimel

Das Hangquellmoor Binsenberg ist eines der größten und mächtigsten kalkreichen Quellmoore Mecklenburg-Vorpommerns. Es erstreckt sich über ca. 30 Fläche. Der Moorkörper ist aufgewölbt und bis zu 8 m "mächtig", wie die Moorkundler*innen sagen.

Nachdem das Moor in den 1980er Jahren durch Entwässerung stark gestört wurde, engagiert sich die Succow Stiftung seit 2009 für die Revitalisierung dieses Moor-Lebensraumes. Durch den Rückbau der Entwässerungsgräben haben einige seltene Arten wie der Blaue Tarant (Swertia perennis), die Mehlprimel (Primula farinosa) sowie das Schwarze und Rostrote Kopfried (Schoenus nigricans, S. ferrugineus) wieder dauerhafte Überlebenschancen.

Im Binsenberg-Blog halten wir Sie über die aktuellen Aktivitäten auf dem Laufenden.

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Der Binsenberg ist Teil des GGB "Talmoorkomplex des Kleinen Landgrabens bei Werder" und des EU-Vogelschutzgebietes "Großes Landgrabental, Galenbecker und Putzarer See" und weist geschützte Lebensräume und Arten der EU NATURA 2000 Richtlinie und viele weitere geschützte und hoch gefährdete Arten auf. 

Der Binsenberg wurde bis Mitte des 20. Jahrhundert zur extensiven Wiesennutzung nur schwach entwässert, sodass auf großen Flächenanteilen eine weitgehend naturnahe Moor- und Feuchtwiesenvegetation existierte. Mitte der 1980er Jahre erfolgte ein starker Ausbau des Entwässerungssystems. Ein enges Grabennetz durchzieht seither das Gebiet. Der Binsenberg wurde großflächig umgebrochen zur Neuansaat von Nutzgräsern. Durch die nach wie vor sehr starke artesische Grundwasserspeisung schloss sich jedoch eine Intensivnutzung bald aus. 

Die ursprüngliche Moorvegetation, bestehend aus zahlreichen seltenen Arten wie dem Blauen Tarant (Swertia perennis), Mehlprimel (Primula farinosa) sowie dem Schwarzen und Rostroten Kopfried (Schoenus nigricans, S. ferrugineus), konnte sich nur auf sehr kleinen Flächen halten. Große Teile des Gebiets fielen brach und typische Degradations- und Eutrophierungs-Erscheinungen des Moorkörpers traten auf. Erst durch die Bemühungen des amtlichen Naturschutzes (StALU Mecklenburgische Seenplatte) wurde ab 1996 in Teilen wieder eine Grünland- sowie eine Naturschutz-Pflegenutzung aufgenommen. In diesem Zuge erfolgten auch erste, punktuelle Maßnahmen zur Wiedervernässung. Diese leichte Wasserstandserhöhung reichte allerdings bei Weitem noch nicht aus. Weiterhin fanden großflächig Torfzehrung und Nährstofffreisetzung statt. 

Moor muss nass! Das Wiedervernässungsprojekt 

Im Rahmen der Übergabe von Flächen des Nationalen Naturerbes an Länder, Stiftungen und Verbände übernahm die Succow Stiftung große Teile des Hangquellmoores. Zusammen mit der Stiftung Umwelt und Naturschutz M-V und der Loki Schmidt Stiftung als weitere Flächeneigentümer setzt die Stiftung seit 2009 die Revitalisierung des Binsenbergs um. Ziel ist die die Wiederherstellung eines möglichst naturnahen Wasserhaushalts, der Erhalt der vorhandenen Schutzgüter sowie eine Vermehrung der schutzwürdigen Lebensraumtypen. Das schließt eine Fortentwicklung der gegenwärtigen Lebensgemeinschaften zu mehr naturnahen Ausprägungen (z.B. Pfeifengraswiesen zu Kleinseggenrieden) ein. 

Aufbauend auf einem langwierigen Planfeststellungsverfahren wurden bereits 2013 im Rahmen der FÖRiGeF (Förderrichtlinie für Gewässer und Feuchtgebiete in M-V) erste Gräben verschlossen. 

Von 2018 bis 2020 wurden im Rahmen der Förderrichtlinie Naturschutz M-V im Gebiet weitere Tausend Meter Gräben durch Verbaue und Verfüllung verschlossen. Aus der hydrologischen Modellierung wird für den größten Teil der Moorfläche eine Wasserstandsanhebung zwischen 10 und 20 cm erwartet. Das hat auf etwa 6 ha eine Ausdehnung moortypischer Wasserstände knapp unter Flur zur Folge. Auf rund 20 ha stellen sich moorschonende Wasserstände 20 cm unter Flur ein. 

Durch die Wiederherstellung moortypischer Bedingungen kann auf rund 10 ha wieder Torfbildung einsetzen, wodurch Nährstoffe und Kohlenstoff gebunden werden. Geschätzte 165 t CO2 Äquivalente können durch die Wasserstandsanhebung jedes Jahr eingespart werden. 

Wird mein Keller nass? 

Nein. Das Gebiet liegt am abfallenden Rand des Kleinen Landgrabentals oberhalb der eigentlichen Talniederung. Da die Randgräben, die an das Grünland der Talniederung angrenzen, offen bleiben und zu den oberhalb liegenden Ackerflächen ausreichend Gefälle besteht, sind durch die Wiedervernässung keine bedeutenden Auswirkungen auf die umgebenden Nutzflächen zu erwarten.

Um sicher zu stellen, dass Oberflächenwasser vom nördlich angrenzenden Acker schadlos abgeleitet wird, wurden drei kleinflächige Ackerdraine angelegt. Zum Schutz des südlich an das Gebiet angrenzenden Weges erfolgte in den Seitengräben nur ein gemäßigter Aufstau auf eine mittlere Wasserstandhöhe auf maximal 40 cm unter Oberkante des Weges. Dazu wurden Ablaufrohre erhöht sowie Staue und Sohlschwellen angelegt. Dadurch wird eine durchschnittliche Wasserstandserhöhung von 5-20 cm in beiden Gräben erwartet. 

Zum Ablauf des Wassers in den Hauptvorfluter bleiben die bereits vorhandenen Verbindungen wie bisher voll funktionsfähig. 

Binsenberg

Lage: Siedenbollentin am Kleinen Landgraben, Mecklenburg-Vorpommern

Größe: 36 ha

Lebensräume:  Kalkreiche Niedermoore (FFH-LRT 7230), Pfeifengraswiesen (FFH-LRT 6410), Schilfröhrichte, extensives Feuchtgrünland

Arten: Mehlprimel, Blauer Tarant, Schwarzes & Rotes Kopfried, Sumpf-Glanzkraut, Sumpf-Stendelwurz, Bauchige Windelschnecke , Schmale Windelschnecke, Kranich und Neuntöter

Schutzstatus: SPA-Gebiet, GGB-Gebiet 

Im Eigentum seit: 2011 

Das Revitalisierungsprojekt "Revitalisierung des Hangquellmoores Binsenberg bei Siedenbollentin" wird finanziert im Rahmen der Förderrichtlinie Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern (AZ 172117000009). 
 

Ansprechpartnerin

Nina Seifert
Expertise: Schutzgebietsmanagement, Biodiversität, nachhaltige Landnutzung

nina.seifert[at]succow-stiftung.de


Tel +49 3834 83542 12