Karrendorfer Wiesen

Ein renaturiertes Küstenüberflutungsmoor zum Vorzeigen

Zusammen mit der vorgelagerten Insel Koos ragen die Karrendorfer Wiesen als Halbinsel in den Greifswalder Bodden. Seit Jahrhunderten wurde das Gebiet als Weide genutzt. Durch das Zusammenspiel aus Beweidung und saisonalen Überflutungen konnte sich in dem Küstenüberflutungsmoor ein sogenanntes anthropo-zoogenes Salzgrasland bilden. Diese besondere Ausprägung des Moortyps kommt heute nur noch an wenigen Stellen der Boddenküste in Mecklenburg-Vorpommern vor. 

Seit 2016 engagiert sich die Stiftung für den langfristigen Erhalt der Karrendorfer Wiesen. Geeignete Rinderrassen, etwa Uckermärker oder Wasserbüffel, beweiden extensiv das großflächige Salzgrasland. Auf ca. 75 ha bestehen Röhrichte und offene Wasser- und Schlammflächen. Je nach Überflutungsdynamik sind diese unterschiedlich ausgeprägt. Die Karrendorfer Wiesen bieten so einen Standort für seltene und gefährdete Pflanzenarten des Salzgraslandes, aber auch einen bedeutenden Lebensraum für Limikolen und andere Küstenvögel. 

Folgen Sie dem leicht begehbaren öffentlichen Weg vom Parkplatz bei Groß Karrendorf in Richtung Insel Koos, um den besten Eindruck vom Gebiet zu bekommen – auch mit unserer App Echt:Natur! Der Beobachtungsturm an der südwestlichen Gebietsgrenze bietet einen guten Überblick über den Kooser See. Die Insel Koos selbst ist nicht öffentlich zugänglich, bis zur Brücke lässt sich jedoch die Dynamik der Karrendorfer Salzwiesen beiderseits des Fahrdamms genießen. 

Die Naturschutzstation "Insel Koos" bietet regelmäßige Führungen im Gebiet an. Termine finden Sie unter www.succow-stiftung.de/insel-koos.html 

Ursprünglich nahmen Küstenüberflutungsmoore über 41.000 ha entlang der Boddenküste Mecklenburg-Vorpommerns ein. Bis auf wenige Restflächen gingen diese wertvollen Naturräume durch Nutzungsintensivierung im 19. und 20. Jahrhundert verloren.  

Im Gebiet waren schon seit dem 15. Jh. vereinzelte Entwässerungsgräben angelegt worden. Die Fläche wurde seit 1820 entwässert, aber immer noch regelmäßig überflutet. Durch den entwässerungsbedingten Moorschwund nahmen Überflutungsereignisse jedoch zu. Zwischen 1850 und 1993 waren die Karrendorfer Wiesen erst durch einen Simmerdeich, später durch einen hohen Winterdeich von der natürlichen Überflutungsdynamik abgeschlossen. 

Mit der Komplexmelioration in den 1970er Jahren, im Zuge derer auch eine Erhöhung der Deiche und eine Vertiefung der Gräben erfolgte, wurde das Gebiet hydrologisch vollständig regulierbar. Die letzte Generalinstandsetzung der Gräben erfolgte 1988/89. In dieser Zeit wurde die Fläche mindestens zweimal vollständig umgebrochen mit intensivem Getreide-, Feldfutter- und Saatgrasanbau unter Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. 

Im Rahmen eines Restaurierungsprojektes wurden 1993/94 die Deiche rückgebaut, der größte Teil der Gräben (8.500 m) verfüllt und das natürlich vorhandene Prielsystem (3.000 m) annähernd wieder hergestellt. Damit unterliegt das Gebiet wieder direkt dem Einfluss der Wasserstandsschwankungen des Greifswalder Boddens. Insbesondere bei anhaltendem Nord- und Ostwind kommt es zu großflächigen Überflutungen. Seit 1995 werden die Karrendorfer Wiesen wieder als extensive Rinder-Standweide genutzt. 

Förderprojekt "Optimierung des hydrologischen Systems des Küstenüberflutungsmoores Karrendorfer Wiesen"

Im Rahmen eines umfassenden Restaurierungsprojekts Anfang der 1990er Jahre wurde zum ersten Mal an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns ein Küstenschutzdeich zurückgebaut und die natürliche Küsten- und Überflutungsdynamik wiederhergestellt. Ein Großteil der 360 ha Fläche der Karrendorfer Wiesen ist seither regelmäßigen Überflutungen unterworfen. Aus dem ursprünglich artenarmen und monotonen Saatgrasland haben sich im Laufe der letzten Jahrzehnte großflächig wertvolle Salzgraslandbestände entwickelt.  

Dennoch haben die Jahre der intensiven Entwässerung der Karrendorfer Wiesen ihren Tribut gefordert: Die starke Torfzehrung hat dazu geführt, dass es zu großflächigen Sackungen kam und sich Wasser länger in den Flächen hält, als es in einem unberührten Küstenüberflutungsmoor natürlicherweise gegeben ist. Deswegen konnten sich in Teilen des Gebiets noch keine Arten des Salzgraslandes ansiedeln. Ein weiterer Grund für die gestörte Dynamik ist die Anlage des Fahrdamms zur Insel Koos und damit die Trennung der Hauptpriele, die sich ursprünglich von Nord nach Süd durch die Wiesen gezogen hatten.  

Von 2019 bis 2022 plant und realisiert die Succow Stiftung die Verbindung der vom Fahrdamm zerschnittenen Priele (Verrohrung) und die Reaktivierung verlandeter Priele im Südteil der Wiesen. Dadurch - und eine gezielte Mahd und intensivere Beweidung der noch mit Schilf bestandenen Flächen - möchten wir die Voraussetzungen für die Wiederansiedlung von Salzgrasland verbessern. Weiterhin werden bestehende Stacheldrahtzäune umgebaut, sodass sich das Verletzungsrisiko für Vögel verringert. Um Störungen durch Besucher des Gebiets zu reduzieren, planen wir den Bau eines Beobachtungsverstecks, von dem aus Vögel beobachtet werden können, ohne sie zu stören.  

Den Erhalt der Karrendorfer Wiesen durch die Michael Succow Stiftung fördert die Kurt Lange Stiftung und die Stiftung Feuchtgebiete. Die filmische Dokumentation zu der stiftungseigenen Fläche fördert die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE). 

Der Verein Ostseelandschaften Vorpommern e.V. unterstützt uns bei der fachlichen und praktischen Betreuung der Fläche.

Das Projekt "Optimierung der Hydrologie des Prielsystems der Karrendorfer Wiesen" wird durch die NatSchFöRL gefördert (AZ 172117000014). 

KURT-LANGE-STIFTUNG

Karrendorfer Wiesen

Größe: 360 ha

Lage: 10 km nordwestlich von Greifswald

Lebensräume: Atlantische Salzwiesen (LRT 1330);und Küstenüberflutungsmoor

Arten: Rohrweihe, Säbelschnäbler, Flussregenpfeifer, Rotschenkel, Bodden-Binse, Eleocharis parvula

Schutzzweck: Erhalt des Salzgraslandes, Lebensraum für Küstenvogelarten

Schutzstatus: NSG „Insel Koos, Kooseer See, Wampener Riff; FFH-Gebiet "Greifswalder Bodden, Teile des Strelasundes und Nordspitze Usedom"

Im Eigentum seit:Anfang 2016 als "Nationales Naturerbe" übertragen

Ansprechpartnerin

Nina Seifert
Expertise: Schutzgebietsmanagement, Biodiversität, nachhaltige Landnutzung

nina.seifert[at]succow-stiftung.de


Tel +49 3834 83542 12