Mecklenburg-Vorpommern muss für den Schutz der biologischen Vielfalt wirksame Maßnahmen ergreifen!

FINC, NABU, BUND und die Succow Stiftung fordern landesrechtliche Regelungen zur Reduzierung von Agrochemikalien

Die beiden Landesverbände von NABU und BUND, FINC sowie die Succow Stiftung haben sich mit einem offenen Brief an Landwirtschafts- und Umweltminister Backhaus gewandt. Darin äußern sie ihre Forderung nach einer dringend notwendigen Reduzierung von Agrochemikalien vor allem in den Schutzgebieten des europäischen Naturschutzsystems Natura 2000.
Die weitere Umsetzung des Insektenschutzpaketes sowie die aktuelle Ausgestaltung der Agrarumweltprogramme der neuen GAP müssen einen hohen Schutz der Artenvielfalt gewährleisten und fördern.

Der Direktor von FINC Greifswald, Dr. Sebastian Schmidt:
„Deutschland, und damit auch Mecklenburg-Vorpommern, kommen ihrer Verantwortung zum Schutz von europaweit bedeutenden Arten und Lebensräumen noch immer nicht ausreichend nach. Das jüngst von der Bundesregierung verabschiedete Insektenschutzpaket wird daran wenig ändern, dessen Vorgaben sind leider viel zu schwach. Ausgerechnet in vielen Gebieten gemeinschaftlicher Bedeutung (FFH-Gebieten) ist die Anwendung von Agrochemikalien weiterhin erlaubt. Eine Reduktion, wie es bereits die EU-Richtlinie 2009/128 zum integrierten Pflanzenschutz vorsieht, sowie mittelfristig die Vermeidung müssen jedoch das Ziel sein. Zukünftige Agrarumweltmaßnahmen sollten folglich so ausgestaltet werden, dass auf Ackerflächen in FFH Gebieten (28.000 ha, 1,9% der landwirtschaftlichen Nutzfläche in M-V) Giftfreiheit erreicht wird.“

Die Vorsitzende des BUND Mecklenburg-Vorpommern, Bettina Baier:
„Landwirtschaft hat über Jahrzehnte den Wert von Natura 2000-Gebieten bestimmt. Tier- und Pflanzenarten hatten ausreichend Lebensraum, denn es gab weniger Chemie, mehr Gehölze und Kleingewässer. Doch das änderte sich massiv und verschlechtert sich noch immer. Viele Bestände von Arten, die mit den Natura 2000-Gebieten geschützt werden sollen, gehen dramatisch zurück. Das dürfen wir nicht länger ausblenden und müssen gegensteuern. Und das geht nur mit ganz konkreten Vorgaben, zum Beispiel über ein novelliertes Landeswassergesetz. Dieses Vorhaben der Regierungskoalition ist jedoch kläglich gescheitert. Auch ein engagiertes Programm zur Umstellung auf ökologische Landwirtschaft in Natura 2000-Gebieten ist dringend erforderlich.“

Der Vorsitzende des NABU Mecklenburg-Vorpommern, Stefan Schwill:
„Unsere Expert*innen stellen Jahr um Jahr fest, dass für unsere Region typische Arten weiter zurückgehen. Besonders stark sehen wir das bei Amphibien, aber auch bei vielen Insekten und Vogelarten. Das Biodiversitätskonzept des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums hat daran nichts geändert. Es ist an dieser Stelle gescheitert. Auch bringt es nichts, allein auf freiwillige Maßnahmen von Agrarbetrieben zu setzen. Vielmehr braucht es klare Regeln für eine umweltverträgliche und soziale Landwirtschaft in den Natura 2000-Gebieten. Nur so können die Gebiete ihrer Funktion als Brennpunkte der Biodiversität gerecht werden.“

Prof. em. Dr. Michael Succow, Träger des Alternativen Nobelpreises und Stifter der Michael Succow Stiftung:
„Gerade unser Mecklenburg-Vorpommern als Tourismusland Nr. 1 in Deutschland und mit seiner herausgehobenen Stellung des Gesundheitssektors braucht gesunde Landschaften für gesunde Menschen. Unsere Schutzgebiete, einschließlich der Natura 2000-Gebiete, sind Rückzugsräume und zugleich Sehnsuchtsorte für eine wachsende Zahl an Menschen, die in unserem Land leben oder es zur Erholung besuchen. Es gilt der Grundsatz: Gesunde Böden, gesunde Nahrung, gesunde Menschen. Dies ist der Garant für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes, wie auch der Zukunftsrat MV in seinem soeben veröffentlichten Abschlussbericht
hervorhebt.“

Offener Brief an Umwelt- und Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus
 

FINC, NABU, BUND und die Succow Stiftung fordern landesrechtliche Regelungen zur Reduzierung von Agrochemikalien
FINC, NABU, BUND und die Succow Stiftung fordern landesrechtliche Regelungen zur Reduzierung von Agrochemikalien