Naturerbe in Wasdow bedroht – Waldretter gesucht!

Das Leben im Wasdower Wald hat sich in den letzten elf Jahren wunderbar entwickelt: Nicht nur brütet dort das scheue Schreiadlerpaar Gerda & Gerd (so liebevoll von dem Horstschützer benannt), auch entdeckte der örtliche Wolfsbetreuer im letzten Jahr eindeutige Spuren von Wölfen. Seit der Succow Stiftung ein Teil des „Wilden Wasdow“ im Jahr 2011 im Rahmen des Nationalen Naturerbes anvertraut wurde, überlässt sie den Wald soweit möglich den natürlichen Regenerationskräften: Liegen- und stehengelassenes Totholz, alt werdende Bäume und Humusschichten dienen als Nährboden und Behausungen für neues Leben. Gleichzeitig binden sie große Mengen an Kohlenstoff zugunsten des Klimaschutzes. Um die stark von Borkenkäfern befallenen forstlich geprägten Fichtenbestände einzudämmen und jungen Laubbäumen Licht und Raum zu schenken, begann in 2021 schrittweise ein schonender Waldumbau. In Wasdow soll sich weiter ein ursprünglicher, sich selbst verjüngender Laubwald entwickeln.

Doch die sich friedlich entwickelnde Wildnis ist erneut bedroht: Der sich über 40 Hektar erstreckende Wasdower Wald gehört nur zu etwas mehr als der Hälfte der Succow Stiftung; die andere Hälfte teilen weitere Teileigentümer*innen. Ein Miteigentümer mit jagdlichem Interesse hat ein Zwangsversteigerungsverfahren angestrengt, um die Teilung aufzuheben und alleiniger Eigentümer zu werden. Die Versteigerung wird voraussichtlich bereits im Herbst 2022 stattfinden!

Es ist zu befürchten, dass die Belange des Naturschutzes damit nicht mehr oberstes Gebot der Handlungen und Unterlassungen im Wald sein werden. Außerdem ist nicht auszuschließen, dass dem Wasdower Wald nach der derzeitigen Erholungspause mit natürlicher Waldentwicklung unter Regie einer Naturschutzstiftung, in der Zukunft als Privateigentum wieder eine intensive Bewirtschaftung mit Fokus auf Ertragsmaximierung bevorsteht. In Wasdow soll sich weiter ein ursprünglicher, sich selbst verjüngender Laubwald als Wildnisinsel entwickeln. Der Schreiadler braucht ungestörte Brutplätze – von diesen gibt es ohnehin nur noch sehr wenige in unserer Kulturlandschaft.

Um den mindestens 400 Jahre alten Waldstandort nicht an eine Privatperson zu verlieren, möchte die Succow Stiftung sich aktiv an der Versteigerung zur Auflösung der Eigentümergemeinschaft beteiligen. Dafür benötigen wir dringend Unterstützung in Form von Spenden. Lassen Sie uns zusammen noch in diesem Jahr unser "Wildes Wasdow" retten!

Moorentwässerung im Baltikum stoppen und das Klima schützen!

In Estland, Lettland und Litauen gibt es riesige Moorflächen, von denen jeder trockengelegte Hektar jährlich circa dreißig Tonnen Kohlenstoff-Emissionen verursacht. Das entspricht in etwa dem jährlichen CO2-Ausstoß von zwölf Mittelklassewagen in Deutschland. Durch Wiedervernässung lässt sich gut ein Drittel der Emissionen einsparen!

Wie?

  • Das Moor wird wiedervernässt: Durch bspw. die Verfüllung von Entwässerungsgräben wird der Wasserstand des Gebietes bis knapp an die Geländeoberfläche angehoben.
  • Durch die erneute dauerhafte Wassersättigung der Torfe werden an der Luft stattfindende Zersetzungsprozesse und die Freisetzung von gespeichertem Kohlenstoff in Form von CO2 aufgehalten
  • Von der Klimagefahr zum Klimaschutz: Das Moor erhält so seine Funktion als flächeneffektivster Kohlenstoffspeicher zu Lande zurück. Bei weiterer erfolgreicher Restauration mit torfbildenden Pflanzenarten kann auf lange Sicht wieder eine aktive Kohlenstoffsenke entstehen!

Insbesondere im Baltikum ist rasches Handeln gefragt, denn hier gibt es im Gegensatz zu Deutschland (1-2%) noch knapp 30% unberührte naturnahe Moore, die es zu schützen gilt. Unternehmen aus Deutschland und den anderen westeuropäischen "abgetorften" Ländern verlagern ihre Suche nach neuen abbauwürdigen Torflagerstätten zunehmend in die baltische Region und bedrohen den Erhalt der Moore als Kohlenstoffspeicher und Orte der Artenvielfalt.

Die rund 70% entwässerten Moorflächen werden land- oder forstwirtschaftlich genutzt, liegen brach oder auf ihnen findet bereits industrieller Torfabbau statt – mit dramatischen Folgen für die Klimabilanz sowie Flora und Fauna der Gebiete. Es besteht akuter Handlungsbedarf, um ein Umdenken und die Umsetzung alternativer nachhaltiger nasser Landnutzungsmöglichkeiten im Moor (Paludikultur) zu bewirken. Niedrigemissions-Nutzungsmöglichkeiten wären bspw. der Anbau von Torfmoosen als Ersatz für Torfsubstrate im Erwerbsgartenbau oder der nasse Anbau von Moorpflanzen wie Rohrkolben, Schilf, Seggen oder Schwarzerle für Materialien, Futter oder Energiebiomasse zur Umstellung von entwässerungsbasierter Land- und Forstwirtschaft auf Moor.

"Die jungen Leute von Fridays for Future zeigen klar: Handeln wir jetzt! Entwässerte Moore sind wenig beachtet – mit ihren hohen CO2-Ausstößen tragen sie jedoch dramatisch zur Klimaerwärmung bei!"

Prof. em. Dr. Michael Succow
Träger des Alternativen Nobelpreises, Moorökologe & Stifter