Drückjagd auf Naturschutzflächen – warum Naturschutz Jagd sein kann

Naturschutz und Jagd – wie passt das zusammen?

Anfang Januar fand erstmals auf einer unserer Naturschutzflächen eine Drückjagd im neu entstandenen Eigenjagdbezirk statt. Zu unserer Naturschutzarbeit gehört auch die gezielte Regulierung von Wildbeständen, um Lebensräume langfristig zu schützen und Artenvielfalt zu erhalten.

Auf knapp 150 ha Fläche waren 13 Schützen, 7 Stöberhundeführer*innen und 7 Treiber*innen im Einsatz. Es konnten 5 Wildschweine erlegt werden. Andere Wildarten hielten sich aufgrund der Vereisung nicht im Gebiet auf.

Alle Beteiligten handelten umsichtig und sicher, sodass der Tag bei gemeinsamen Gesprächen und Kesselgulasch frohgemutes endete.

Für die Mitarbeitenden und Helfenden war der Tag eine besondere Gelegenheit, Gebietsteile zu erkunden, die sonst schwer zugänglich sind – ein eindrucksvolles Erlebnis als Bonus.

Naturschutz bedeutet manchmal auch aktive Eingriffe, um langfristig stabile Ökosysteme zu sichern. Die Drückjagd war ein Beispiel für die verantwortungsvolle Kombination aus Wildregulierung, Arten- und Lebensraumschutz.

Wir danken allen Beteiligten für ihren umsichtigen Einsatz – für die Natur, die Tiere und die Menschen, die unsere Flächen pflegen. 


Warum Jagd zum Naturschutz gehört

Viele Menschen fragen sich: „Naturschutz und Jagd – wie passt das zusammen?“

Schadensvermeidung: Junge Bäume werden von pflanzenfressenden Tieren (Rehe, Hirsche) stark verbissen und/oder geschält. Ohne Regulierung würde die Waldverjüngung auf einigen Flächen kaum gelingen.

Die Populationen des heimischen Schalenwildes (wilde Paarhufer) nahmen in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich zu, Tendenz in vielen Gebieten immer noch steigend. Insbesondere die Herbivoren (Rehe und Hirsche) knabbern gern an jungen Bäumchen. Dabei gehören ausgerechnet die Knospen der heimischen Laubbäume zur Lieblingsnahrung der Rehe. Das stellt grundsätzlich ein großes Problem dar, aber ganz besonders dort, wo ehemalige Nadelholzmonokulturen wieder in natürliche und stabile Laub(-misch)wälder umgewandelt werden müssen. 

Oft sind junge Bäumchen flächendeckend beknabbert und manchmal bis auf Stummel abgebissen, sodass sie nie richtige Bäume werden können. Die weiche Rinde etwas größerer Bäume wird von Hirschen (Rot- und Damwild) und deren Rudel oft und manchmal in ganzen Baumbeständen geschält, was ebenfalls zu starken Folgeschäden bis hin zum Absterben der Bäume führt.

Gesunde Wildbestände: An den Lebensraum angepasst große Wildbestände verhindern deren Überpopulation und damit verbundene Krankheiten.

Schutz anderer Arten: Übermäßig viel Wild kann seltene Pflanzen und Tiere verdrängen.

Nachhaltige Nutzung: Jagd ermöglicht außerdem die Beschaffung eines hochwertigen Lebensmittels aus der Natur.

Jede nicht befriedete Fläche in Deutschland darf laut Gesetz bejagt werden. Ein gutes Wild- bzw. Jagdmanagement hilft, die Schalenwildbestände in einem für das jeweilige Habitat verträglichen Besatz zu halten.


Warum nicht einfach Zäune errichten oder Nadelbaum-Monokulturen lassen?

Nadelbaumreinbestände werden instabil und sind anfällig für Krankheiten, Schädlinge und Waldbrände. Sie beeinflussen den Wasserhaushalt negativ, Feuchtbiotope trocknen aus, Grundwasserstände sinken. Unter Nadelbaum-Monokulturen fehlt oft eine neue Generation von Bäumen, die sogenannte Waldverjüngung findet kaum statt.

Zum Schutz junger Laubbäume Zäune errichten, die das Wild aussperren, ist keine gute Option. Zäune sind auf großen Flächen kaum machbar und würden die Lebensräume für das Wild stark einschränken.

In unserer Kulturlandschaft fehlt ein natürliches Regulativ, das wieder für ein ausgewogenes Verhältnis sorgen könnte. Daher muss eingegriffen werden, um die Schalenwildpopulationen für die Landschaft, die einzelnen Ökosysteme, andere Arten und schlussendlich auch sich selbst auf einen gesunden Bestand zu bringen und auch zu halten.


Warum werden auch Wildschweine gejagt? Die richten im Wald doch kaum Schaden an.

Wildschweine finden durch milde Winter und eine gute Versorgung mit Futter immer bessere Bedingungen und vermehren sich teilweise drastisch. Landbewirtschaftende beklagen sehr häufig von Wildschweinen verursachte Wühlschäden auf ihren wertvollen Grünländern und an ihren Ackerkulturen. Das betrifft auch die Landbewirtschaftenden angrenzend an unsere Flächen, mit denen wir oftmals zusammenarbeiten. Der Schutz bodenbrütender Vogelarten auf Naturschutzflächen und auch die Seuchenvermeidung sind dabei weitere wichtige Gründe.


Warum Drückjagd mit vielen Beteiligten?

Gesellschafts- oder Intervalljagden sind einerseits ein effektives Mittel zum Erreichen der jagdlichen Ziele, andererseits findet in der Regel nur einmal pro Jahr eine Beunruhigung der Wildtiere in bestimmten Gebieten mit Naturschutzanspruch statt. 

Den Rest des Jahres kann auf diesen Flächen das Wild seinem natürlichen Lebensrhythmus folgen, ohne permanent durch Pirsch, Belauern, Nachstellen und möglicherweise auch Knall und Abschuss gestört zu werden.