Die gemeinsame Abschlusskonferenz der Horizon-Europe-Projekte ALFAwetlands und REWET fand im September 2026 in Brüssel statt und markierte den Abschluss von mehr als vier Jahren Forschung zum Schutz und zur Wiederherstellung von Feuchtgebieten. Mehr als 110 Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft und Restaurationspraxis sowie weitere Akteur*innen kamen zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Erkenntnisse aus den Projekten eine wirksame Wiederherstellung von Feuchtgebieten in ganz Europa unterstützen können.
Auf der Konferenz wurden zwei zentrale Publikationen vorgestellt. Marie Lorenz, Moorexpertin der Michael Succow Stiftung, Partner im Greifswald Moor Centrum, präsentierte für ALFAwetlands einen kürzlich veröffentlichten Policy Brief Rewetting for Resilience: Cost-Effective Strategies for Restoring Agricultural Peatlands.
„Der Policy Brief zeigt auf, dass die Wiedervernässung landwirtschaftlich genutzter Moore außerordentliche Klimaschutzwirkungen entfalten und die biologische Vielfalt fördern kann. Paludikultur – die produktive Nutzung nasser Moorflächen – kann zudem die Wirtschaftlichkeit der Wiederherstellung verbessern und tragfähige Geschäftsmöglichkeiten schaffen, die mit Europäischen Klimazielen vereinbar sind“, sagt Marie Lorenz von der Michael Succow Stiftung / Greifswald Moor Centrum.
Obwohl sie nur 2 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche Europas ausmachen, verursachen entwässerte Moore 80 % der landwirtschaftlichen Emissionen. Daher kann ihre Wiedervernässung dazu beitragen, dass Europa seine Klimaziele erreicht, und dabei gleichzeitig die Wasserspeicherung verbessern sowie Landschaftsräume widerstandsfähiger gegen Dürren und Überschwemmungen machen.
Der Policy Brief empfiehlt drei zentrale Maßnahmen: Moore so wiederherzustellen, dass Natur und Biodiversität profitieren; Flächen mit besonders hohem Potenzial zur Emissionsminderung priorisieren; und die Wiedervernässung für Flächeneigentümer*innen wirtschaftlich attraktiv zu gestalten. Außerdem hebt die Publikation Paludikultur als Möglichkeit hervor, Flächen auch nach der Wiedervernässung produktiv zu nutzen. Das bedeutet, dass Paludikultur in Wiederherstellungsmaßnahmen und entsprechende Märkte integriert werden sollte, um finanzielle Hürden abzubauen und eine kreislauforientierte, klimafreundliche Wirtschaft zu fördern.
Neben dem Policy Brief wurde auf der Konferenz das White Paper Prioritizing Wetland Conservation and Restoration in Europe, vorgestellt. Es wurde von sieben EU-finanzierten Feuchtgebietsprojekten erarbeitet und formuliert Prioritäten, um die Wiederherstellung von Feuchtgebieten in Europa zu beschleunigen.
Eine Exkursion in das ALFAwetlands Living Lab im belgischen Dijle-Tal ergänzte die Gespräche in Brüssel. Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in die Restaurierungs- und Managementmaßnahmen vor Ort sowie in das wissenschaftliche Monitoring durch Projektpartner und lokale Akteure.
Durch Forschung, Monitoring, Modellierung, Living Labs und Co-Creation mit Stakeholdern hat ALFAwetlands neue Erkenntnisse zu Wiederherstellungspfaden und ihren Auswirkungen auf Klima, Biodiversität, Gesellschaft und Wirtschaft gewonnen.
Die Abschlusskonferenz war damit mehr als das Ende der Projekte. Sie bot Raum für den weiteren Austausch innerhalb der europäischen Community zur Wiederherstellung von Feuchtgebieten und stellte Ressourcen vor, die Behörden, Landbewirtschaftende, Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen auch künftig nutzen können. Indem ALFAwetlands und REWET Wissenschaft, Politik und Praxis miteinander verbinden, hinterlassen sie ein gemeinsames Erbe für gesündere und widerstandsfähigere europäische Landschaften.
Über ALFAwetlands
ALFAwetlands – Wetland Restoration for the Future – ist ein Horizon-Europe-Forschungsprojekt. Es verbessert die geodatenbasierte Wissensgrundlage zu europäischen Feuchtgebieten, untersucht Wiederherstellungspfade unter Einbeziehung von Co-Creation-Prozessen und entwickelt Informationen sowie Nachhaltigkeitsindikatoren, um Klimaschutz, Biodiversität und weitere Leistungen bestmöglich zu fördern.
ALFAwetlands Factsheet 2026: Link
Über REWET
REWET – REstoration of WETlands to minimise emissions and maximise carbon uptake – ist ein Horizon-Europe-Projekt zur nachhaltigen Wiederherstellung und zum Schutz terrestrischer Feuchtgebiete. Über ein Netzwerk von Open Labs untersucht REWET die Wiederherstellung von Feuchtgebieten, Treibhausgasdynamiken, Biodiversität und Monitoring.
Website: www.rewet-he.eu
