Äthiopien

Machbarkeitsstudie für ein Biosphärenreservat Tanasee

Im Zuge der Anerkennung der ersten zwei Biosphärenreservate Kafa und Yayu durch die UNESCO 2010, gewinnt das Konzept von Biosphärenreservaten in Äthiopien als Instrument nachhaltiger Regionalentwicklung und integriertem Naturschutz zunehmend an Bedeutung. Äthiopien besitzt viele schützenswerte Ökosysteme und Gebiete mit hoher Biodiversität. Durch fehlende nachhaltige Landnutzungskonzepte sind diese allerdings stark von Degradation der natürlichen Ressourcen betroffen.

 

Die Feuchtgebiete des Tanasees z.B. beherbergen eine Vielzahl bedrohter Zug- und endemischer Vogelarten, deren Habitate durch Erschließung für Bewässerungslandwirtschaft und intensive Viehwirtschaft gefährdet sind. Außerdem sind in Folge jahrhundertelanger Entwaldung nur noch kleinste Reste von Primärwäldern erhalten geblieben, in denen es letzte Wildkaffeebestände gibt. Erosion und Düngereinsatz führen zu starker Sedimentierung und Nährstoffbelastung des Tanasees, wodurch die Fischereiwirtschaft beeinträchtigt wird. Diese alte Kulturlandschaft ist von jahrhundertealten Klöstern und Kirchenanlagen auf Inseln am Tanasee geprägt, die neben den Nilfällen und dem Tanasee selbst Anziehungspunkt internationaler Touristen sind. Das große ökotouristische Potential, die traditionelle Landnutzung und das Interesse äthiopischer Stakeholder bieten einen guten Ausgangspunkt für die Entwicklung eines Biosphärenreservates in der Tanaseeregion.

 

Im Jahr 2011 führte die Michael Succow Stiftung eine Machbarkeitsstudie zur Prüfung der Rahmenbedingungen für ein Biosphärenreservat in der Tanaseeregion durch. Im Rahmen der Studie wurden die ökologischen, soziokulturellen und institutionellen Rahmenbedingungen des Tanaseegebietes untersucht, in engem Austausch mit relevanten Akteuren vor Ort wurde sich aktiv mit dem Konzept des Biosphärenreservates auseinandergesetzt und Leitlinien für die Regionalentwicklung wurden entwickelt. Dabei wurden die Ansprüche und Potentiale der einzelnen Sektoren (Landwirtschaft, Fischerei, Waldnutzung, Biodiversitäts- und Naturschutz, Tourismus, Wasser- und Energiewirtschaft) und deren Rolle in einem Biosphärenreservat beleuchtet.

 

Im Rahmen von zwei längeren Feldaufenthalten wurden die Chancen und Ziele eines Biosphärenreservates direkt vor Ort vermittelt und diskutiert. Gemeinsam mit den äthiopischen Kollegen konnte ein Verständnis für nachhaltige Entwicklung des zu untersuchenden Raumes entwickelt werden. Darauf aufbauend wurden die Risiken und Chancen abgeschätzt und zur Diskussion gestellt, um daraus eine gemeinsame Vision für den Naturraum des Tanasees zu entwickeln. Die Studie wurde durch vier landschaftsökologische bzw. geographische Master-/Diplomarbeiten unterstützt, in die auch äthiopische Kollegen eingebunden waren.

 

Eine weitere Komponente des Projektes war die Konzeptionalisierung eines Kompetenznetzwerkes zur Biosphärenreservatsentwicklung in Äthiopien. Dazu wurden in einem Workshop zusammen mit den äthiopischen Vertretern des UNESCO Man and Biosphere (MAB) - Programms relevante Akteure zusammengebracht, mit dem Ziel die nationalen Experten langfristig und systematischer zu vernetzen, das MAB-Programm durch Bildung und Forschung zu stärken und einen fachlichen und gestalterischen Beitrag zur Biosphärenreservatsentwicklung am Tanasee und darüber hinaus für Äthiopien zu leisten.

 

Das Projekt wurde gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU).

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