Russland – Decision Support System Moornutzung

Restauration und Schutz von Mooren im Europäischen Teil Russlands - Entwicklung eines Entscheidungsunterstützungssystems (DSS) für Klima- und Biodiversitätsschutz

Im europäischen Teil Russlands ist von den ehemals 120.000 km2 intakter Moorfläche heute nur noch die Hälfte in ihrer Funktionsfähigkeit erhalten. Vor 1990 wurden viele Moore für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Torferzeugung entwässert. Nach 1990 brach die russische Torfindustrie zusammen. Viele der entwässerten Moore liegen seitdem brach und setzen so fortwährend klimawirksame Treibhausgase frei. Zudem besteht eine große Gefahr von Torffeuern, wodurch Mensch, Moor und das Klima stark beeinträchtigt werden können. Hier könnten effektive Wiedervernässungsmaßnahmen die Klimawirkung und die Brandgefahr massiv verringern und viele Moorökosysteme wieder revitalisieren.

Aktuell hat die Nachfrage nach Torf wieder stark zugenommen, da Russlands Regierung beschlossen hat, die nationale Energiegewinnung durch Torfverbrennung zu erhöhen um mehr Öl und Gas für den Exportmarkt zu reservieren und eine relativ einfach zu erschließende und zu betreibende Energieerzeugung zu gewährleisten. Dies wird auch Regionen beeinträchtigen, innerhalb welcher Moore und ihre Torfe seltener vorkommen und bisher noch weitestgehend unberührt sind. Durch diesen Kurswechsel in der Energiepolitik besteht die Gefahr, dass viele noch unbeeinflusste Moore entwässert und abgetorft werden.

 

In diesem Spannungsfeld ist es eine Herausforderung, die für Klima und Biodiversität „beste“ Option zu identifizieren und dabei zu versuchen die Ansprüche der Energiepolitik zu integrieren. Ein im Rahmen des Projektes zu entwickelndes decision support system (DSS) soll unter Abwägung der verschiedenen Handlungsalternativen Naturschutz, Torfabbau, Wiedervernässung, sowie weiteren Landnutzungsformen einen Entscheidungsbaum generieren, der Win-Win Strategien aufzeigen und zu einer optimalen Entscheidung führen soll. Wobei aus Naturschutz und Klimasicht ‚gewinnen’ auch ‚am wenigsten verlieren’ heißen kann.

Für die Implementierung des DSS wird eine Inventarisierung der drainierten Moore durchgeführt. Die für diese Moore möglichen Nutzungsformen (Torfabbau, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Paludikultur, Naturschutz) werden in Bezug auf deren Restaurationspotential, Klimawirkung und der politischen Forderungen analysiert.

Das DSS leistet damit einen Beitrag zum überregionalen Moorschutz, da ein Bedarf der innerhalb des DSS entwickelten Kriterien auch in Weißrussland und der Ukraine gegeben ist. Auch hier existieren staatliche Programme, die darauf abzielen, Torfgewinnung zu reaktivieren und zu intensivieren, gerade auf den vor 1990 entwässerten Flächen.

Das Vorhaben der Michael Succow Stiftung wird im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit über die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (gtz) GmbH finanziert. Partner sind die Universität Greifswald, Wetlands International Russland sowie das Institut für Waldwissenschaften der Russischen Akademie der Wissenschaften.

 

 

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