Newsletter 03+04/2018

Die Michael Succow Stiftung hat in den letzten Monaten weit geblickt - unter anderem unterwegs zum Schutze winterkalter Wüsten auf den Grund des ausgetrockneten Aralsees, auf nasse und für Paludikultur geeignete Flächen im Baltikum und auf eine nachhaltige Landnutzung vor der eigenen Haustür um Greifswald. Die Stiftung freut sich, dass sie viel getan hat und auch 2019 viel zu tun haben wird. Hier mehr über unsere vielfältige Arbeit....

Schutzgebietsentwicklung – Nachrichten aus den internationalen Projekten

CADI startet auch in Turkmenistan!

Expeditionen zum Erkunden der Biodiversität, eine Nominierung der Schutzgebiete Repetek und Bereketli Garagum als Weltnaturerbestätte oder Umweltbildung in den Schutzgebieten der winterkalten Wüsten – in Turkmenistan kann das Projekt Central Asian Desert Initiative (CADI) jetzt zahlreiche Maßnahmen beginnen.

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Eine offizielle Vereinbarung dazu unterzeichneten das Staatliche Komitee Turkmenistans für Umweltschutz und Landressourcen und die Michael Succow Stiftung als Partner am 20. August. Das Abkommen setzt die jahrelange, erfolgreiche Zusammenarbeit der beiden Partner in verschiedenen Projekten zum Natur- und Umweltschutz in Turkmenistan im Rahmen eines Memorandum of Understanding fort. Nationaler Partner für die Umsetzung von CADI in Turkmenistan ist das National Institute of Deserts, Flora and Fauna (NIDFF).

Herbar digital

Elf Gastwissenschaftler aus Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan schulte das CAViF und CADI im November eine Woche lang darin, wie getrocknete und archivierte Pflanzen im Internet zu katalogisieren sind. Ziel ist es, existierende wertvolle botanische Sammlungen der extrem angepassten zentralasiatischen Flora digital weltweit zugänglich zu machen für Wissenschaftler, Hobbybotaniker oder Naturschutzorganisationen.

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Bisher lagern diese in Herbararchiven der zentralasiatischen Hauptstädte und sind nur wenigen Spezialisten verfügbar – darunter Ergebnisse von Forschungsexpeditionen entlang der Seidenstraße aus fast 200 Jahren. Grundlage ihrer Digitalisierung bildet eine an der Universität Greifswald im Rahmen eines Forschungsprojektes der DFG entwickeltes Datenbanksystem, das bereits für die Flora der Mongolei online verfügbar ist. Mittelfristig sollen für alle in der Region vorkommenden Pflanzenarten Herbarbelege online gestellt werden.

Gefördert wurde der Aufenthalt und die anschliessende fachliche Begleitung des Workshops durch zwei Projekte. Ein Projekt des deutschen Ministeriums für Bildung und Forschung unterstützt die Arbeiten mit den usbekischen Botanikern. Das Projekt zum Schutz der winterkalten Wüsten Zentralasiens (CADI), gefördert durch das deutsche Umweltministerium und im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative des deutschen Bundestages fördern die Arbeiten mit Kasachstan und Turkmenistan. Beide Projekte werden umgesetzt durch die Michael Succow Stiftung, gemeinsam mit der Universität Greifswald.

 

Schutzgebiet im Aralsee

Einst war der Barsakelmes Zapovednik (IUCN Ia) eine Insel im Aralsee. Doch seitdem der Aralsee weitestgehend verschwunden ist, ist auch der Zapovedik zum Festlandteil geworden. Viele Pflanzengesellschaften haben sich seitdem dramatisch verändert, auf dem Grund des Aralsees stellen sich Sukzessionstadien neuer Vegetation ein, nach IUCN Roter Liste international bedrohte Huftiere wie Saigaantilopen, Wildesel und Kropfgazellen haben ihr natürliches Habitat verloren.

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In ihren Populationen sind sie stark geschrumpft.
Zusammen mit den Partnern im CADI-Projekt hat die Succow Stiftung eine zweitägige Gebietsbereisung- und Ökosystem-Analyse durchgeführt, gefolgt von einem viertägigen Open Standards Workshop. Die Open Standards for the Practice of Conservation unterstützen Schutzgebietsmanager in der systematischen Planung, Umsetzung und Monitoring ihrer Schutzbemühungen und passen diese bedarfsweise und wissensbasiert an. Während des Workshops wurden die Bedrohungen und Stressfaktoren auf die Schutzziele des Gebietes grundlegend und umfassend analysiert. Darauf aufbauen haben die Workshopteilnehmer, moderiert durch Mitarbeiter der Michael Succow Stiftung, Strategien zu Verringerung von beidem, identifiziert.

 

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Neues Projekt für Rominter Heide

Damit der russische Teil der Rominter Heide im Kaliningrader Gebiet zum UNESCO-Biosphärenreservat werden kann, unterstützt die Succow Stiftung die Nominierung mit einem neuen Projekt.

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Rominter Heide (Photo: C. Welscher)

Ein Workshop in Kaliningrad am 24. Oktober mit rund 30 TeilnehmerInnen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und lokalen Interessenverbänden bildete den Auftakt zum Projekt Rominter Heide – Vorbereitungen zur Einrichtung eines UNESCO Biosphärenreservats.

Das geplante Biosphärenreservat wäre das erste im Kaliningrader Gebiet und damit das westlichste der Russischen Föderation. Kernbestandteil des BR bildet der 2012 ausgewiesene regionale Naturpark „Wystinets“. Dieser schützt heute weite Teile der Rominter Heide – einen der großen unzerschnittenen Tieflandwälder Mitteleuropas. Im Rahmen des Projekts soll der Naturpark um eine Entwicklungszone, die das den Wald umgebende Wystiter Hügelland umfasst, erweitert werden. Vor allem diese stärker besiedelten Randbereiche bieten großes Potential für eine naturnahe Bewirtschaftung, z.B. in Form von Ökolandbau, oder nachhaltigem Tourismus.

Mehr Moor – Nachrichten zu Moor- und Klimaschutz

Endlich da: Dauerhafte Moorprofessur

Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns und die Universität Greifswald haben am 17. Dezember die Schaffung einer neuen Professur für Moorforschung / Peatland Sciences vereinbart. Dies stellt die mehr als 200 Jahre alte Greifswalder Moorforschung und die wissenschaftliche Arbeit des Greifswald Moor Centrum, geprägt auch durch Prof. Michael Succow, für die kommenden Jahrzehnte auf ein verlässliches Fundament. 

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„Die Greifswalder Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen sich damit, inwieweit Menschen und Landwirtschaft Moore nutzen können ohne sie dabei auszunutzen. Dieses Engagement wollen wir mit der neuen Professur unterstützen“, begründete Wissenschaftsministerin Birgit Hesse die Entscheidung seitens des Landes MV – einem der moorreichsten Bundesländer in Deutschland. Das Land und die Universität Greifswald finanzieren die neue W3-Professur gemeinsam, unterstützt von Stifterverband der deutschen Wissenschaft und der Michael Succow Stiftung. Weitere Informationen in der Pressemitteilung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur MV und bei der Universität Greifswald.
Im Bild von links nach rechts: Thomas Krüger (SPD-Fraktionsvorsitzender MV), Prof. Dr. phil. Johanna Eleonore Weber (Rektorin der Universität Greifswald), Birgit Hesse (Wissenschaftsministerin MV) u. Dr. Jürgen Buchwald (Staatssekretär für Landwirtschaft u. Umwelt MV) (Foto: H. Lipski)

Neu und animiert: Moor muss nass! - Moor für alle in 3 Minuten

Moore sind nicht unheimlich, sie sind unheimlich wichtig für jeden einzelnen von uns – denn nass sind Moore Klimaretter! Damit das jeder verstehen kann, hat das Projekt MoorDialog den animierten Kurzfilm „Moor muss nass!“ entwickelt. Das komplexe Thema ist darin kompakt erklärt: Weltweit speichern Moore zweimal mehr Kohlenstoff als die gesamte Biomasse aller Wälder der Erde. Sie filtern unser Wasser und bieten seltenen Arten Lebensraum.

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Doch viele Moore sind durch Entwässerung zerstört oder bedroht. Trocken werden sie für Landwirtschaft genutzt, verursachen jedoch extrem hohe Treibhausgasemissionen. Die Lösung: Wiedervernässung und Paludikultur dort, wo genutzt werden muss und nasse Bewirtschaftung möglich ist. Durch diese entstehen klimafreundliche Produkte und auch neue Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Das Greifswald Moor Centrum arbeitet unter anderem mit diesem Erklärvideo daran, die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz in das öffentliche Bewusstsein zu tragen. Auch auf youtube - Teilen erwünscht!

Starkes Signal aus Berlin bei Konferenz „Moor muss nass!“

“Moor muss nass!“ war die Kernbotschaft der Konferenz zu Moor- und Klimaschutz, die das Projekt Deutscher Moorschutzdialog (MoorDialog) am 26. Oktober 2018 im Umweltministerium in Berlin veranstaltete. Um bis 2050 die Treibhausgas-Emissionen aus trockengelegten Mooren in Deutschland entsprechend des deutschen Klimaschutzplans und internationalen Verpflichtungen zu minimieren, müssen jährlich etwa 50.000 ha wiedervernässt werden. Um das zu erreichen, hat das Projekt MoorDialog im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative in den letzten drei Jahren viele Akteure zusammengebracht:

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Landwirte, Wasserwirtschaftler, Naturschützer, Wissenschaftler und Politiker. Bei der Abschlusstagung wurde klar, was in Zukunft nötig ist: eindeutige politische Rahmenbedingungen, finanzielle Anreize und Ausgleiche, mutige Unternehmer, solide wissenschaftliche Begleitforschung. Mehr Informationen finden sich in der Pressemitteilung des BMU.

Brandaktuell: Was nasse Moore können, lernen 40 Balten in 4 Tagen und 2 Ländern

Während der Moorbrand bei Meppen durch die Medien ging, lernten etwa 40 Moorexperten aus den baltischen Staaten im September Beispiele dafür kennen, wie nasse und wiedervernässte Mooren Torf erhalten und damit CO2 gebunden bleibt. Zudem besuchten sie nasse Flächen, die bereits nachhaltig produktiv genutzt werden. Die viertägige Studienreise durch die Niederlande und Deutschland war im Projekt EUKI – Paludikultur in den baltischen Staaten der Succow Stiftung organisiert.

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Die drei baltischen Länder sind reich an Mooren, viele sind allerdings durch großflächigen Torfabbau – auch für den Gartenbau in Deutschland – geschädigt. Das Bewusstsein für Erhalt und Renaturierung der baltischen Moore wächst. Zwischen Amsterdam und Berlin sind Beispiele dafür zu sehen, wie Moore nass genutzt werden können: der Anbau von Schilf und Rohrkolben für Baustoffe oder Brennmaterial, Torfmoos-Anbau für Torfersatz, Erlenforste und Wasserbüffelhaltung. Gerade Mecklenburg-Vorpommern hat als Vorreiter bei Wiedervernässung und nachhaltiger Moornutzung (Paludikultur) sehr viel zu bieten. Die Tour umfasste daher Besuche beim Landesforst Mecklenburg-Vorpommern in Velgast, bei Testflächen und Verarbeitern von Rohrkolben in Kamp und Bugewitz, beim ersten Heizwerk für Biomasse von Niedermooren in Malchin sowie Moorwiesen bei Neukalen.

Zukunftsfähige Landnutzung

Save the Date: GAI-Abschlusstagung

Der neue Termin für die Abschlusstagung des Projektes Greifswalder Agrarinitiative steht fest: Am 19.-20. März 2019 lädt das Projekt zur Veranstaltung unter dem Titel "Land-Eigentümer und Land-Wirte im Dialog - gemeinsam Verantwortung für Naturschutz in der Agrarlandschaft tragen" nach Greifswald. Sie thematisiert, wie Landnutzer und Landeigentümer gemeinsam Verantwortung für den Schutz von regionaler Natur und Biodiversität übernehmen können. Nicht nur Landeigentümer, Landwirte und Naturschützer sondern auch interessierte Bürger sind herzlich zur Konferenz geladen. 

Landwirtschaft + Gewässerschutz

Was bei Greifswald getan werden kann, um die Wasserqualität des Rycks und damit auch des Bodden zu verbessern, war Thema der Veranstaltung "Landwirtschaft & Gewässerschutz – Optionen am Übergang von Fluss und Land" am 28. November, organisiert u.a. von MORGEN, einem Projekt der Succow Stiftung.

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Auf Einladung der Projekte CLEARANCE und MORGEN und der Initiative „Sauberer Ryck“ diskutierten Landnutzer und -eigentümer, Vertreter der Verwaltung, Wissenschaftler und interessierte Bürger im Greifswalder Rathaus gemeinsam zu diesen Fragen: Welche Potentiale bestehen für die Verbesserung der Wasserqualität des Ryck? Wie ließe sich eine Umsetzung von Paludikultur, d.h. nachhaltiger Bewirtschaftung nasser Moorflächen, entlang des Ryck fördern? Die Beteiligten erläuterten die mögliche eigene Rolle in Umsetzungsprojekten – eine wichtige Grundlage für konkrete Maßnahmen, die die Wasserqualität verbessern.

Wildnisentwicklung

Verschluss für mehr Vielfalt

Viel los auf der stiftungseigenen Fläche Hangquellmoor Binsenberg - Ersteinrichtung und Grabenverschlüsse für die Renaturierung sind in vollem Gange! Seit 2009 engagiert sich die Michael Succow Stiftung für die Revitalisierung dieses wertvollen Moor-Lebensraumes, der durch Entwässerungsmaßnahmen in den 1980ern stark reduziert wurde.

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Acht Hektar Fläche wurden am Binsenberg, einer stiftungseigenen Fläche aus dem Nationalen Naturerbe, im November gemäht und beräumt. Das trägt dazu bei, dass sich zukünftig artenreiche Pfeifengraswiesen etablieren können. Gleichzeitig wurden bereits 400 m Graben verschlossen, um das Hangquellmoor wiederzuvernässen und einen Lebensraum für seltene Pflanzenarten wie den Blauen Tarant zu schaffen. Rund 3000 m Graben folgen noch.

Sonstige Nachrichten

Bundesfreiwilliger gesucht!

Die Michael Succow Stiftung sucht einen engagierten Bundesfreiwilligendienstler (BFD) zur Betreuung von Stiftungshaus, Ökogarten und Naturschutzflächen. Er oder sie wird im denkmalgeschützten Stiftungshaus werkeln und im Garten der Stiftung wirken. Praktische Arbeit gibt es auch an Themenwegen und Naturschutzflächen der Stiftung. Für Abwechslung  sorgen Exkursionen oder Umweltbildungsveranstaltungen. Die Stelle ist ab dem ersten Januar zu besetzen. Wir freuen uns auf Bewerbungen an info@succow-stiftung.de!